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“Man muss sich melden” – Der Ortsvorsteher im Interview

Gerhard Strotkötter ist in seiner dritten Amtszeit als Ortsvorsteher in Laubenheim. Im Interview erzählt der 63-Jährige von seinen politischen Überzeugungen und spricht über die Zukunft von Laubenheim. Der gebürtige Sauerländer berichtet, warum der Ortsbeirat gegen die Stadt klagt und erklärt seine Haltung zur geplanten Mülldeponie.

Herr Strotkötter, mehr als zehn Jahre Amtszeit sind es nun schon, es werden wahrscheinlich 15 Jahre werden. Wie stehen Sie im Vergleich zu Ihren Ortsvorsteher-Kollegen und Bürgermeistern da?

Das Amt des Ortsvorstehers ist normalerweise schon stabil. Wenn die Leute aber unzufrieden sind oder es dem Gegenkandidaten gelingt, zu mobilisieren, wählen die Leute anders. In Hechtsheim musste mein Kollege Jung nach fünf Jahren gehen, auch in Ebersheim gab es einen Wechsel. Wenn zum Beispiel in der Neustadt alle Studenten flott gemacht werden, „Kommt Jungs, lasst uns mal einen neuen Ortsvorsteher wählen“, da wählen die meisten grün.

Sie sind vor rund 40 Jahren in die SPD eingetreten. Was hat Sie damals dazu bewogen?

Ich war natürlich begeistert von der Politik von Willy Brandt. Viele meiner Freunde in Soest waren in der SPD. Ich habe mir gedacht, man muss was tun für das Land und die Gesellschaft. Ich bin ein Kind der sozialliberalen Koalition, die der Arbeiterschicht den Zugang zur Bildung ermöglicht hat. Mein Vater war Schlosser. Nach der Hauptschule konnte man die Fachhochschulreife machen. Ich habe dann in Soest Elektrische Energietechnik studiert und bin bei den Jungsozialisten eingetreten. Das war politisch hochinteressant. Es war eine gute Zeit.

Wenn wir sozial sein wollen, brauchen wir auch eine Dynamik.

Gerhard Strotkötter, Ortsvorsteher Mainz-Laubenheim

Wie haben sich Ihre politischen Überzeugungen seither gewandelt?

Mit dem Alter sieht man die Dinge natürlich ein bisschen anders, auch die Politik von Helmut Schmidt, die ich bei den Jungsozialisten kritisiert habe. Er wird ja heute noch verehrt. Er verfolgte ja eine geradlinige Politik, die an der Wirklichkeit orientiert war und nicht an den Wünschen der Leute, die sie im Kopf hatten. Das Drängen der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nach Vorherrschaft in Europa war real. Ich denke, es wäre ein Fehler gewesen, die Brocken hinzuschmeißen und zu sagen, wir machen da militärisch nichts mehr. Es war aber auch genauso richtig, dagegen zu protestieren.

Was halten Sie von Gerhard Schröder?

Das war für mich eine gewünschte Person. Ich fand den gut. Das war mit Fischer zusammen eine junge neue Truppe. Das beste, was er gemacht hat, war, nicht mit den Vereinigten Staaten in den Irak einzumarschieren. Das Problem der Wirtschaft damals war strukturell. Da musste Bewegung rein, auch in der ehemaligen DDR. Wenn wir sozial sein wollen, brauchen wir auch eine Dynamik. Wir können uns nicht darauf ausruhen, auf ewig und drei Tage unser Geld zu bekommen.

Bilder: Dominik Konrad

Das Problem ist, man hat nicht erkannt, dass man die Agenda2010 nachbesser muss. Diese krassen Einschnitte, das hat man der SPD nicht verziehen. Gewerkschaftler sind bis heute sauer, wenn sie den Namen Schröder hören. Ich sehe das anders.

Im Jahr 1969 hat es mit der Eingemeindung Laubenheims nach Mainz einen Auseinandersetzungsvertrag mit der Stadt gegeben. Darin wurden Laubenheim bestimmte Rechte garantiert. Die Stadt Mainz sieht die Lage heute anders. Der Ortsbeirat strebt laut Ihrer Aussage eine Klärung an, ob das Vertragswerk gültig ist. Das Verwaltungsgericht Koblenz soll entscheiden. Warum ist es überhaupt so weit gekommen?

In dem Vertrag ist die Übernahme Laubenheims von der Stadt geregelt. Da stand geschrieben, die Wasserversorgung soll sichergestellt werden. Die Stadt hat die Verantwortung. Der Ortsbeirat sieht gemäß Vertrag ein Recht auf Mitentscheidung. Das bedeutet, wenn sich in Laubenheim beim Thema Wasser was bewegt, muss der Ortsbeirat zustimmen, bevor irgendwas gemacht wird. Die Stadt sagt, wir lesen den Vertrag so, dass wir den Ortsbeirat nur anhören müssen. Jetzt geht es darum, wie man den Vertrag liest. Dafür gehen wir vor das Verwaltungsgericht. Wir wollen auch wissen, was der Vertrag noch wert ist.

Es gibt ja im Stadtrat einige, die denken: „Was wollt ihr denn da hinten.“ Aber Hustekuchen, so einfach ist das nicht.

Gerhard Strotkötter

Da geht es auch um Kosten. Wir sind ja eine untergegangene Gemeinde, das bedeutet, wir haben nichts drauf. Bei berechtigten Klagen gegenüber der Stadt Mainz muss die Stadt zahlen. Das bedeutet, wenn ich die Stadt verklage, muss die Stadt den Anwalt stellen.

Das klingt verrückt.

Nein, das ist gerecht. Wie soll ein Ortsteil seine Rechte gegenüber der Stadt durchsetzen? Er hat ja keinen Etat. Und das zahlt die Stadt auch.

Können Sie eine Prognose abgeben?

Nein. Ich denke, dass wir da gute Chancen haben. Damit ist auch verbunden, Laubenheim aufzuwerten. Wie schwer wiegt das Wort des Ortsbeirats gegenüber dem Stadtrat? Es geht darum, dass die anderen nicht die Einstellung bekommen: „Erzählt mir mal was, ihr dürft sowieso nur abnicken.“ Das ist immer die Frage, wie geht man miteinander um? Es gibt ja im Stadtrat einige, die denken: „Was wollt ihr denn da hinten.“ Aber Hustekuchen, so einfach ist das nicht. Man muss sich da melden.

Gehen wir zu etwas leichteren Themen: Gibt es Neuigkeiten zum Neubau der Kita?

Der Bebauungsplan liegt aus, die Stadt geht davon aus, dass sie so viel Grundstücke erwerben können, dass die Kita gebaut wird. Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr nächsten Jahres mit dem Bau begonnen wird.

Wie steht’s um das Kinder- und Jugendzentrum?

Ist nach wie vor im Bahnhof, der stark renovierungsbedürftig ist. Vor allem der Dachstuhl ist beschädigt. Wenn es nicht mehr geht, wird zugemacht. Der Plan ist, wenn die AWO ihre Räume verlässt, das Jugendzentrum ins Wilhelm-Spies-Haus umzuziehen. Aber da ist eigentlich dann zu wenig Platz.

In einem Interview forderten Sie „eine schnelle und umfassende Sanierung oder den Neubau des Laubenheimer Sportzentrums mit den angegliederten Vereinsräumen“. Was ist die Herausforderung daran?

Die Großveranstaltungen wie Fastnacht oder Turniere der Sportakrobaten. Fastnacht ist wegen Brandschutz und Sicherheitsvorschriften fast nicht mehr möglich. Die Veranstaltung darf 2021 das letzte Mal stattfinden. Dann brauchen wir kurzfristig eine Lösung. Der Ersatzbau der Schule hat ja auch eine Halle. Die könnte man nutzen. Danach weiß ich’s nicht. Da muss man prüfen. Das geht schon irgendwie gut, ich bin da immer optimistisch, weil die Stadtverwaltung uns die Wege auch nicht zustellt.

August 2018, Juni 2019, Dezember 2019: Dreimal ist das Zöller-Kreuz binnen kurzer Zeit schon zerstört worden. Können Sie sich darauf einen Reim machen?

Das ist schon verrückt und das muss auch ein Verrückter gewesen sein. Die Frage ist natürlich, machen wir da immer was neues, oder wird der Mann oder die Frau gefasst?

Fastnacht ist wegen Brandschutz und Sicherheitsvorschriften fast nicht mehr möglich. Die Veranstaltung darf 2021 das letzte Mal stattfinden.

Gerhard Strotkötter

Sie freuen sich ja über die Initiative des Ortsbeirats unter der Federführung von Tobias Diefert, Norbert Riffel und Wolfgang Stampp, ein neues Kreuz aufzustellen. Haben Sie sich auch Maßnahmen überlegt, um das Kreuz in Zukunft besser vor Vandalismus zu schützen?

Da soll eine Edelstahlmanschette drumherum. Jetzt kann man es nicht mehr einfach so absägen. Da muss er dann schon richtig was auffahren. Natürlich kann jeder den Corpus des Heilands da rausnehmen und so weiter. Aber der Pfarrer sagt, „Leute, ich unterstütze euch, bloß nicht aufgeben“. Wenn ein Corpus zerstört wird, würde er uns einen zur Verfügung stellen. Es geht um das Symbol. Das Wegekreuz gilt ja auch als Ort, wo man ein bisschen nachdenken kann, ein Platz fürs Menschsein. Das soll erhalten bleiben. Das ist unsere Herausforderung.

Hier in der Nähe soll eine Mülldeponie entstehen. Laut Presseberichten steht Laubenheim dem neutral oder positiv gegenüber, manche Laubenheimer können die Berichte überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kritisch sehen die Laubenheimer das denn nun?

Also zunächst muss man sagen, die Laubenheimer sind wegen der Entfernung von der Deponie kaum betroffen. Hier ist mit keinen gesundheitlichen Einschränkungen durch Schadstoffe zu rechnen. Der Ortsbeirat ist kritisch demgegenüber und sieht aufgrund der Bürgerinitiative (BI) viele Nachforderungen. Wenn das aber alles ausgeräumt ist, kann die Deponie laut unserer Beschlusslage gebaut werden.

Ich persönlich würde es begrüßen, wenn man die Ablagerungen auf die Deponieklasse 1 begrenzen würde.

Gerhard Strotkötter

Ich persönlich würde es begrüßen, wenn man die Ablagerungen auf die Deponieklasse 1 begrenzen würde. Da sind dann Kacheln, Badewannen und ähnliches. Klasse 2 beinhaltet eine Vielzahl unangenehme Stoffe, die die BI kritisch sieht. Mir ist das mitten in der Stadt trotzdem zu nah, auch für Weisenau und Hechtsheim. Aber dazu hat es im Ortsbeirat keinen Antrag gegeben, aber das denken hier auch die meisten, vermute ich.

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